ber re<te Mann, einem Soldaten im Kriege Muth ein¬
zuflößen? Der ſchüchterne Iſokrates wagte nie, öffentlich
den Mund aufzuthun. Selbſt Cicero, jener Vater der
römiſchen Beredſamkeit, zitterte und ſtotterte ſtets wie ein
lallendes Kind beim Beginne ſeiner Reden; freilich ſieht
Fabius *) die Sache von einer anderen Seite au und be¬
hauptet, dieſe Furchtſamkeit ſei das Zeichen eines tüchtigen
Redners, der ſi< der {weren Verantwortlichkeit, die auf
ihm ruhe, re<t wohl bewußt ſei. Aber wenn er dies ſagt,
giebt er da nicht deutlich zu, daß Weisheit der guten Fih¬
rung Bffentlicer Gefchajte im Wege ſtehe? Wie ſollten
Sene Widerſtand leiſten, wenn es zu einem wirklichen
Kampfe kommt, die ſhon vor Furcht faſt ſterben, wenn
es ſi< nux um einen Streit mit der Zunge Handelt?
Und da hält man no jenen berrliben Ausiprud Pla¬
to'S**) fo werth, daß die Staaten glü>li< ſein wiirden,
wenn entweder die Philoſophen regierten oder die Fürſten
Philoſophen wären! Ganz im Gegentheil! Shlagt die
Hiſtoriker nah: ihr werdet finden, daß es für die Staaten
ſtets am verderblihſten war, wenn die Herrſchaft irgend
einem Philoſophaſter zufiel oder in die Hände eines Für¬
ſten kam, der die ſ<hönen Wiſſenſchaften liebte. Dies be=
weiſen, meine ih, hinlänglih die beiden Catonen: der
eine ſtörte die Ruhe Noms dur< wahnſinnige Angebe¬
reien,***) der andere ſtürzte die römiſche Freiheit von
Grund aus um, weil er zu weiſe die Intereſſen des Staa¬
tes vertrat. Ebenſo war es mit Brutus, Caſſius, den
Gracchen, ohne Cicero zu vergeſſen, der dem römiſchen
Staate ebenſo viel Unglü> brachte wie Demoſthenes dem
atheniſchen. Ferner geſtehe ih gern ein, denn dazu kaun
i< mi< ja immerhin bequemen, daß Mark-Aurel ein
guter Kaiſer war, deuno< machte er ſi< dur< ſeine Phi¬