liberhaupt alle die, welche man zur Hefe der Bevölkerung
zählt, unſterblihen Ruhm erwerben, nimmermehr aber
Philoſophen, die nah der Nachtlampe riechen. Wie un¬
brauchbar übrigens die Gelehrten für die Praxis des täg¬
lichen Lebens ſind, dafür legt eu< das Beiſpiel des So
frates Zeugnis ab, den das Orakel des Apollo als den
weiſeſten *) bezeichnet hatte, was keineswegs ſehr weiſe war.
Als dieſer Philoſoph irgend etwas für das öffentliche Wohl
unternahm, verdiente er ſi den bitierſten Spott der Menge
und mußte beſchämt abziehen. Denno<h aber war der
Mann darin nicht ganz dumm, daß er ſi beſtändig gegen
den Beinamen des Weiſen wehrte, weil dieſe Bezeichnung
nur der Gottheit zukomme, und auh darin niht, daß er
der Meinung war, ein Gelehrter dürfe ſi< nie in bie Lei¬
tung der öffentlichen Angelegenheiten miſchen; freilih hätte
er no< hinzufügen ſollen, daß der, welcher für einen
wahren Menſchen gelten wolle, ſi< überhaupt jeder Weis=
heit enthalten müſſe. Was hat ihn wohl ſonſt dahin gee
bracht, daß er angeflagt wurde und den Schierlingsbecher
trinken mußte, als ſeine Weisheit? Denn während er
über Wolken und tiefſinnige Begriffe grlibelte, **) während
er den Fuß eines Globes ausmaß und den Geſang der
Mücke bewunderte, lernte er ſein ganzes Leben nicht, prak¬
tifo ſein, ebenſowenig ſein Schüler Plato, der, wahrlich
ein herrlicher Anwalt, ſeinem in Todesgefahr ſ{<webenden
Lehrer zur Seite ſtehen wollte, aber dur< den Lrm der
Menge erſchre>t mitten im erſten Sate ſte>en blieb. Was
fol id ferner von Theophraſt ſagen, der in einer Bolts¬
verſammlung zu reden verſuchte und ſo plötzlich verſtummte,
als hätte ihn „der Wolf geſehen“, **) War das nicht
*) Zogpôe Fopoxñc, oopéregoe d'Eigurióne, avdguv dè záv¬
TOY Zurodrne copéruroc.
**) Vgl. hierüber und über das Folgende: Ariſtophanes, „Wolken“,
150 u. ff. — ***) Die Römer hielten den Anbli> eines Wolfes für
unheilbringend und glaubten, ein Menſch, ben ber Wolf zuerſt ſehe,
verliere die Stimme.