4 Das Lob der Thorheit,
Derleibeten ibm bie theologiſchen Stubien gründlich. est wandte er
ſi den alten Sprachen, vorzüglich der lateiniſchen, zu; vertrauenb auf
die elegante und flüſſige Diction, die er fi dur eifriges Studium
der Claſſiker angeeignet, wagte er e3, „von der Kunſt zu leben, die er
verſtand“. Ex unterrichtete in Paris einige junge Engländer und gab
als Frucht literariſher Beſchäftigung mehrere Schriften heraus, deren
maßvolle Zurückhaltung und vollendete Form dem genialen Autor be¬
wundernde Gönner erwarben. Auf eine Anregung ſeiner früheren
Schüler reiſte er na< England, wo er die Gunſt Heinrichs VII. ge¬
wann und die Bekanntſchaft vieler hochgeſtellten Männer machte, unter
anderen die des nadmaligen Lordfanslers Thomas Morus, mit dem
ev innige Freundſchaft jhlop und dem er ſpäter au< ſein „Lob der
Thorheit” gueignete. Von England ging er nad Italien, von dort
nah England, das er ſein zweites Vaterland zu nennen pflegte, zurü>
und unternahm noch zahlreiche kleinere Reiſen, bis er ſi< ſ{<ließli< in
Baſel niederließ, um hier mit wenigen Unterbre<ungen bis zu ſeinem
Tode (12. Juli 1536) zu bleiben.
Seine tiefe Gelehrſamkeit, „ſein unvergleihliches literariſches Ta¬
lent, ber reiche, feine, wißige, kühne und gebildete Geiſt“, der fid in
allen ſeinen Schriften offenbarte, die klare, feſſelnde Sprache, die jeden
überzeugte, hatten ihn zu einem der gefeiertſten Männer Curopa’s gez
macht. Scholaſtik und Mönchsweſen waren es vor allem, die er uner=¬
bittlid mit vernihtender Logik und beißendem Spotte angriff. Man
möchte nach ſeinen kernigen, gewihtigen Worten leiht auf eine ganz
andere perſönliche Erſcheinung {ließen als es Erasmus war. „Ein
kleiner, blonder Mann,“ ſagt Leopold von Ranke, „mit blauen, halb¬
gefdloffenen Augen voll Feinheit der Beobachtung, Laune um den
Mund, von etwas furhtſamer Haltung; jeder Hau ſchien ihn umzu¬
werfen, er zitterte bei dem Worte Tod.“ Friedlicher Genuß des L
bens und ruhige Unabhängigkeit in der Beſchäftigung mit der Wiſſen=
ſchaft gingen ihm über alles; drum verſhmähte er es auh, an für
lihen Höfen zu leben, und weder Geſchenke noh Schmeicheleien konnten
ihn beſtimmen, einer der vielen ehrenvollen Einladungen zu folgen,
die er aus allen Weltgegenden empfing. Als Feind jeder gewaltſamen
Umwälzung bekämpfte er Luther und deſſen Lehren, denen er, bevor
es zu entſcheidenden Thaten kam, beigeſtimmt hatte; dod) hat gerade
er wie kaum ein anderer der Reformation die Wege geebnet durch die