Therſites, aus einem Phaon ein Neftor, aus einer Mi¬
nerva ein Schwein werden, und anſtatt daß man eu<
früher um eurer Wohlredenheit und eurer feinen Sitten
Willen ſ{äßte, geltet ihr daun nur als lallende Kinder
und Flegel. Von fo hoher Wichtigkeit iſt es, daß Jeder
ſi ſelber ſ<mei<le und in ſeinem Innern erſt eiu gutes
Stüc Eigenlob und Selbſtgefälligkeit entſtehen laſſe, ehe
ex nad) dem Beifall der Anderen ſtreben kann, Wenn
endlich die irdiſhe Glüdſeligkeit hauptſächli<h darin beſteht,
dağ man nit mehr fein wil als man ift, fo fann bie¬
ſen Schatz voll und ganz meiue liebe Philautia verleihen.
Vermöge ihrer Wohlthat iff Jeder mit ſeinem Geſicht, ſei¬
nem Geiſt, ſeiner Familie, ſeiner Stellung, ſeiner Lebens=
weiſe, ſeiner Heimat zufrieden; der Irländer möchte niht
mit dem Staliener, der Thraker niht mit dem Athener,
der Scythe niht mit dem Bewohner der ſeligen Inſeln
tauſchen. Bewunderungs8wiürdige Vorſehung der Natur,
bie e8 trot einer unendlichen Verſchiedenheit doch verftan=
ben bat, Gleigmaäfigteit in alle Dinge zu bringen! Wo
fie ihre Gaben nur farg vertheilte, dba hat ſie zum Erſatz
das Gut der Eigenliebe reichlicher zugemeſſen. Doch dies
Lebte iſt wahrlich thöricht geredet, denn gerade dieſe Liebe
Seiner ſelbſt ift bei weitem das vorziglichſte Geſchenk.
Ich darf es wohl kühn ausſprechen: alle glänzenden
Leiſtungen werden nur auf meinen Antrieb ausgeführt, alle
geprieſenen Künſte ſind nur auf meine Veranlaſſung exfun=¬
den worden. Iſt der Krieg nicht das Saatfeld, nicht der
Urquell jeder rühmenswerthen That? Und was kaun es
denno< Thörichteres geben? Zwei Parteien {lagen fich,
Gott weiß warum, und Beide habeu am Ende mehr Schaden
als Vortheil. Um die, welche im Kriege den Tod finden,
fümmert man ſi< ebeuſo wenig, als ſeien Megareuſer*)