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tig ift, fie zu verde>en ſucht, ſich über dieſelben täuſcht und
fie niht ſehen will, ja, wenn man große Laſter ſogar
hät und bewundert als ſeien es Tugenden? Wenn ein
Mann ein Muttermal ſeiner Freundin küßt, *) wenn ein
Zweiter ſi< an einem widrigen Gewächs in der Nafe feiz
ner Geliebten ergöbßt oder wenn ein Vater von ſeinem
ſchielenden Sohne behauptet, er blinzele nur, was iſ dies
alles anders als die purſte Thorheit? Sagt es nur laut,
Daß e8 brei, vier Mal Thorheit fei, denn gerade dieſe
„Thorheit knüpft und erhält der Freundſchaft innige
Bande. “**) Ih fpreche hier nur von Sterblichen, von
denen „ohne Fehler niht Einen es giebt und als Beſter
nur dex gilt, der am wenigſten lafterhaft ift.” *¥=) Jene
-Weiſen nämlich, die fih dur< ihre Philoſophie gottäbnlid
zu machen rühmen, vereinigen ſich entweder nie dur< das
Band der Freundſchaft, oder ihre Freundſchaft iſt nur eine
läſtige, unangenehme Verbindung, die ſie no< dazu mit
ſehr Wenigen ſchließen. Ich könnte es nicht verautworten,
wollte ih ſagen, daß ſie überhaupt mit niemandem ver¬
trauli< verkehren; denu da die überwiegende Mehrzahl
der Menſchen thöricht iſt und es keinen Einzigen giebt, der
nicht einmal nach der einen ober anderen Seite Hin Dumm¬
heiten beginge, ſo ähneln fic) eben in dieſem Punkte Alle,
und in der Aehnlichkeit iſt die Grundlage zur Freundſchaft
zu ſuchen. Wenn dieſe ſtrengen Philoſophen ſich bisweilen
dur gegenſeitiges Wohlwollen an einander ketten, fo ift
dies Gand dock nur {wah und von kurzer Dauer, Sie
haben ja wunderliche, ſchwer zu befriedigende Launen uud
ſind bei den Fehlern ihrer Freunde ſcharfſichtig wie ein
Adler oder wie die epidauriſhe Schlange, {) während für
die Selbſterkenntnis ihr Auge nicht ſo weit reiht, um deu

Das Lob der Thorheit.

*) S, hierliber und über A R poar Soi Bud I,
UT, 89 u ff. — **) A. a. O. V. . D. B. 68 u. 69.
+) A, a. O. V. TA u. 27.