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Das Lob der Thorheit, SD)

Genlands, fondern uur vow mir zum Geile der Menſch=
heit erfunden worden. Alle Dinge dieſer Art ſind ſo be¬
ſchaffen, daß fie, je mehr Thorheit in ihnen ſte>t, deſto
mehr dem menſchlichen Leben frommen, dag ohne Ber¬
gnügen dieſen Namen überhaupt nicht verdient; ohne Ber¬
gunügen aber fließen eure Tage nothwendig dahin, wenn
ihr den Gram, der mit euh geboren iſt, niht dur< ſolche
Ergözlichkeiten verſcheucht.

Vielleicht giebt es jedo< Leute, die auh dieſes Ber¬
gnügen für nichts adten und ihr eingiges Glü> in dem
liebevollen Verkehr mit wahren Freunden ſehen, indem fie
die Freundſchaft als das vorziüglichſte aller Güter preiſeu
und für ein ebenſo unentbehrliches Lebensbedürfnis au¬
ſehen wie Luſt, Feuer oder Waſſer. Die Freundſchaft,
ſagen fie, iſ ſo wohlthuend, daß, wer ſie aus der Welt
vertilgen wollte, die Sonne vertilgen würde, ſie iſt ſo
ehrenwerth, — wenn dieſer Aus8dru> überhaupt etwas be¬
deuten will — daß ſelbſt die Philoſophen fih niht ſcheuen,
ſie zu den höchſten Vorzügen zu zählen. Was wird man
aber wohl ſagen, wenn ich zeige, daß id) die Quelle und
Urheberin au< dieſes ſo viel gerithmten Gutes bin? Sh
will euch dies darlegen, aber uit dur< Krokodils\{lüſſe, *)
Sorites-Ketten, **) verfänglihe Fragen oder andere dia=
lektiſhe Spibfindigkeiten der Art, ſondern ih merde end
die Sache deutlich, augenfällig und handgreiflich beweiſen,
Wohlan alſo, ſehen wir zu! Grenzt es niht an Thor¬
heit, wenn man gegen die Fehler ſeiner Freunde nachſih=

*) Nach dem folgenden berühmten Muſter: Ein Krokodil hatte
einer Frau den Sohn geraubt. „Jh gebe dir deinen Sohn wieder,
wenn du richtig fagft, was id) jest thun werde,“ ſpra<h das Ungez
heuer. „Du wirſt mir meinen Sohn niht wiedergeben," antwortete
die Mutter, „und nun gieb ihn mir, denn id) habe deine Bedingung
erfüllt,“ „Aber wenn ih ihn bir nun guriidgebe,” ſagte das Krokodil,
„haſt du ja do< ni<t das Richtige getroffen.“

**) Ein Sorites (v. awgós, Haufen) bedeutet in der Logit einen
gehäuften Syllogismus,
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