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Das Lob ber Thorheit. 59

ſaßen jene iberglitdlider Sterblichen zu viel religiöſe
Scheu, um mit ſträflicher Neugier die Geheimniſſe der
Natur zu erforſchen, um über die Entfernuugen und die
Größe der Geftirne, über die Urſachen und Wirkungen ihrer
Bewegungen und andere Probleme zu grübeln, da ſie der
Anſicht waren, eiu fo kleines Geſ<höpf wie der Meuſch
vürfe die ihm vorgeſchriebenen Grenzen niht überſchreiten
wollen. Zu wiſſen, was jeuſeit des Himmels ſei, dieſe
Abenteuerlichkeit kam ihnen überhaupt nie in den Sinn.
Allmählich ſ<hwand indes jene glüdliche Unſchuld der gol=
venen Zeit, denn die Schlauköpfe erfanden, wie i< bereits
ſagte, die Künſte, do< anfangs nur in geringer Zahl und
auch erſt vou Wenigen anerkannt. Su ber Folgezeit er¬
fannen daun die Chaldäer mit ihrem Aberglauben und
die Griechen dur< ihren müßigen Leichtſinn no< tauſend
andere Dinge, förmliche Martern für den Geiſt, denn
die Grammatik allein iſ ſhon mehr als hinreichend, das
ganze Leben gu einer beſtändigen Qual zu maden.

Von allen dieſen Künſten {cage man diejenigen am
höchſten, die dem hausba>enen Verſtande, das heißt der
Thorheit, am nächſten kommen. Der Magen des Theo=
logen knurrt vor Hunger, der Phyſiker zittert vor Kälte,
man verſpottet den Aſtrologen, man verachtet den Dialek¬
tiker. Es bleibt nur der Arzt, „denn ein heilender Maun
iſt werth wie Viele zu achten“. *) Und gerade je unwiſ=
ſender, kühner und verwegner der iſ, welcher dieſen Be¬
ruf ausübt, deſto angeſehener iſt er bei den Großen, denn
vie Medicin, vornehmlih wie man ſie heute handhabt, iſ
mur ett Theil dev Sémeidelei, was fie fiderlich mit dev
Redekunſt gemein hat.

Auf die Aerzte folgen unmittelbar die Rechsgelehr=
tenz; vielleicht gebührt ihnen au< der erſte Plaß, ſie,
beren Beruf, um nicht meine eigene Meinung auszu¬

+) Sling, XI, 514,