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Das Lob der Thorheit.

muſtert den ganzen Himmel, und id wil gern dulden,
daß jeder mir den Namen, den ih trage, unter Sc<hmähun=
gen vorwerſe, wenn fih eine einzige Gottheit findet, vie
niht unfreundlih und verähtli< wäre, falls fie fio nicht
dur< meine Empfehlung beliebt machte. Warum hat
Bacchus ſtets das volle Geſicht und das üppige Haar
eines Jlingling8s? Weil er ſein ganzes Leben unter Swel¬
gereien und Gelagen, in Aus8gelaſſenheit und Freude, mit
Tanzen und Spielen hinbringt und nie im geringſten mit
der ſpröden Pallas in Berührung kommt. Ja, ex bean¬
ſprucht ſo wenig, für weiſe zu gelten, daß er ſi< im Ge
gentheil bei ſeinem Cultus an den Narrheiten und Toll¬
heiten ſeiner Anhänger höchli<ſ ergöbt. Er nimmt niht
den mindeſten Anſtoß an dem Beinamen „der Hanswurſt“,
den das Sprichwort ihm giebt, denn das bedeutet dod)
jene Bezeihnung: er iſ no< thörihter als Moryhus, *)
Und mit Recht hat man den Namen des Moryhus **)
auf ihn angewandt, weil ihm die übermüthigen Landleute,
wenn er vor der Thür ſeines Tempels fist, das Geſicht
mit ſüßem Moſt und friſchen Feigen zu beſtreichen pflegen,
Und wie viel ſpie Pfeile, wird man ſagen, hat niht das
noite Luſtſpiel“ gegen euren Bacchus geſchleudert! Der
thörichte, unverſchämte Gott! ſchreit man; fürwahr er ver¬
dient es, aus einem Scheukel***) hervorgegangen zu ſein!

*) Tragiſcher Diter der Griechen, der wegen ſeines weidliden
Lebens häufig al3 Zielſcheibe des Spottes diente (Polemo: 780 toi
Mogtyov). Gine ber Thorheiten des Moryhus war, daß er nie in
ſeinem Hauſe, ſondern ſtets vor der Thür deſſelben ſaß, was in ſofern
auf Bacchus paßt, als das Standbild des weinſeligen Gottes außer¬
halb des Tempels in der Vorhalle unter freien Himmel ſeinen Play
hatte.

i #*) Jn dieſem Namen liegt noch eine zweite Beziehung auf Bacchus;
soossar (Suidas) hedeutet ,beftreidjen”, unb fo weiſt a„Morychus“
wegen des Gleichklanges mit dem griechiſchen Verbum auh auf jene
ausgelaſſenen Scherze der Bauern hin.

wt) Nach der Sage reifte Bacchus, nachdem ſeine Mutter Semele
in der Umarmung Jupiters dur deſſen Blige getödtet worden war,
im Schenkel ſeines Vaters,