Die Thorheit fpricht.
Wie ſehr mich au< gemeinhin die Sterblichen vevlaftern
mögen, — denn ih weiß re<t wohl, wie übel bie Thor¬
Heit felbft bet ihren Günſtlingen angeſchrieben iſ — fo
behaupte ih doch, daß id), id die Eine und Einzige bin,
die ih dur< meine Macht Götter und Menſchen in Heiz
tere Laune verſeze. Ein überzeugender Beweis liegt in
Folgendem: iſ es nicht augenſcheinlih, daß, ſeitdem ich
vor dieſer zahlreichen Verſammlung erſchienen bin, auh
die Freude mit mix eingekehrt it? Auf allen Geſichteru
war Heiterkeit zu leſen; plößlich erhobt ihr ſo fröhlich euer
Haupt und ſpendetet mix Beifall mit ſo munterem und
luſtigem Lachen, daß ihr alle, die ihr hier verſammelt ſeid,
mir fürwahr wie homeriſche Götter erſcheint, die von Nec=¬
tar und Nepenthes*) berauſcht find, im Gegenſatz zu früher,
wo Kummer und Sorgen in euren Mienen lagen, gleich
als wäret ihr eben aus der Höhle des Trophonius**) ge
fommen.
Wie es deun zu geſchehen pflegt, daß, wenn bie Sonne
wieder ihr liebliches, goldenes Autliß der Erde zeigt, oder
*) Ein altes ägyptiſches Zauberkraut, welches, im Weine mitge¬
trunken, jeden Kummer des Tages verbannen ſollte.
#4) Eine Gottheit, die in einer Höhle bei Lebadea in Böotien
Orakel ertheilte, Da die, welhe, um das Orakel zu befragen, in die
Höhle gingen, in der Negel betrübt und bekümmert wieder heraus¬
kamen, ſo gebrauchte man den obigen Ausdru> ſprichwörtlih zur Be=¬
zeihnung einer von Sorgen gedrildten Perfon.
Vgl. auh: Era3mus, Fyæuos yáaos 8. coningium impar,
Anfang,