beu, fo ift ambrerfeits nichts fo evgiglid, al dem Scherz
eine ernſte Seite abzugewinnen, Dem Publikum ſteht es
ja zu, über meine Spottſchrift zu urtheilen, wenu mi<
indes niht die Eigenliebe verblendet, ſo glaube ih, niht
als Thor das Lob der Thorheit verkündet zu haben.
Um mich nun vor dem Vorwurf zu ſichern, den man
in Betreff der Biſſigkeit meiner Satire erheben könnte, fo
bemerke ih, daß es von jeher ein Rechi des Spottes war,
fic) über die Menſchen im Allgemeinen ſtraflos luſtig zu
madchen, vorausgeſeßt, daß man uicht bis zur Zügelloſig=
keit und Raſerei ging. I< wundere mi< wirkli<, wie
feinfühlig die Ohren in unſerer Zeit geworden ſind; man
will nur nod ſ{<meichelhafte und ſ{önklingende Titel
hören, ja, man ſieht ſogar Leute, die ſo verkehrte An¬
\hauungen über Religion haben, daß fie eher die fred¬
liſten Läſterungen gegen Chriſtus als den geringfügigſten
Scherz gegen den Papſt oder ihren Fürſten ertragen wiir¬
den, beſonders wenn ihr materielles Intereſſe dabei im
Spiele ift. Scheint jedoch der, welder das ganze Meen¬
\chengeſchle<t tadelt, ohne jemanden perſönlich anzugreifen,
wirklich biſſig zu ſein oder niht vielmehr zu lehren und
zu mahnen? Wie ſehr hatte ich mich dann wahrbhaftiq
wohl ſelbſt verſpottet! Perner beweift derjenige, der ing¬
geſammt gegen alle verſchiedenen Stände loszieht, deutlich
genug, daß er keineswegs deu Menſchen, ſondern einzig
und allein ihren Fehlern zürne. Weun fih alfo jemand
in dieſer Schrift beleidigt fühlt und ſich beklagt, ſo wird
ex dadur< nur bekennen, daß er ſ{uldig iſ oder fürchtet,
Dafür zu gelten. Der Heilige Hieronymus ift in biefer
Art noch viel freier und ſatiriſcher verfahren, hat ex ſich
doh fein Gewiſſen daraus gemacht, ſogar Namen zu nen¬
nen. Was mi<h betrifft, ſo habe i<, außerdem, daß it
ſtets beim Allgemeinen geblieben bin, meine Ansdviide fo
gemäßigt gehalten, daß jeder verſtändige Leſer leicht meine
Abſicht erkenuen wird, mehr gu ergen alg gu verlegen,